Oliver Klemet — Steckbrief, Karriere und Erfolge

Der am 18. März 2002 in Bad Homburg geborene Oliver Klemet gehört zur internationalen Spitze im Freiwasserschwimmen. Als Mitglied der SG Frankfurt ist er fest in den Vereinsstrukturen des deutschen Schwimmsports verwurzelt. Die tägliche Trainingsarbeit absolviert der Langstreckenspezialist jedoch fernab seiner hessischen Heimat. Am Bundesstützpunkt beim SC Magdeburg trainiert er unter der sportlichen Leitung von Bundestrainer Bernd Berkhahn.

Die spezifische Konstellation aus Vereinszugehörigkeit in Frankfurt und Trainingsmittelpunkt in Sachsen-Anhalt unterstreicht die professionelle Ausrichtung im modernen Hochleistungssport. In Magdeburg trifft eine Dichte an Weltklasseathleten aufeinander, die eine ständige physische und taktische Weiterentwicklung erzwingt. Diese Rahmenbedingungen bilden das Fundament für Leistungen auf höchstem internationalem Niveau. Die dort praktizierte Trainingsphilosophie fokussiert sich stark auf die Entwicklung der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit, gepaart mit gezielten Reizen für die finale Sprintgeschwindigkeit.

Ein Blick auf die sportliche Laufbahn offenbart eine seltene Vielseitigkeit, die sowohl die Langstrecke im offenen Gewässer als auch die Mittelstrecke im Schwimmbecken umfasst. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris stellte er diese doppelte Leistungsfähigkeit unter Beweis. Neben der Spezialdisziplin über zehn Kilometer erreichte er im Becken das Finale über 400 Meter Freistil. Diesen Endlauf schloss er auf dem siebten Platz ab.

Wie vollzieht sich der Wechsel zwischen Beckensprint und Freiwassermarathon bei Oliver Klemet?

Die physiologischen Anforderungen eines Rennens über 400 Meter Freistil im Becken unterscheiden sich fundamental von einem Zehn-Kilometer-Marathon im offenen Gewässer. Im Schwimmbecken wird die Energiebereitstellung primär über den anaeroben Stoffwechsel gedeckt. Hohe Laktattoleranz und maximale Grundschnelligkeit bestimmen den Ausgang eines Rennens, das meist knapp unter der Vier-Minuten-Marke beendet wird. Ein Start im olympischen Becken erfordert zudem eine perfektionierte Wende- und Tauchtechnik.

Im Kontrast dazu verlangt die zehn Kilometer lange Freiwasserdistanz eine ausgeprägte aerobe Kapazität. Der Fettstoffwechsel rückt in den Vordergrund, um die muskuläre Arbeit über einen Zeitraum von nahezu zwei Stunden aufrechtzuerhalten. Athleten mit dieser doppelten Ausrichtung müssen im Trainingsalltag einen schmalen Grat wandern. Zu viel Ausdauertraining mindert die Sprintschnelligkeit, während ein Übermaß an anaeroben Reizen die Grundlagenausdauer gefährdet.

Oliver Klemet demonstriert durch seine Ergebnisse eine bemerkenswerte Balance zwischen diesen beiden extremen Anforderungsprofilen. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris zeigte sich diese Bandbreite eindrucksvoll. Der siebte Platz im Finale über 400 Meter Freistil belegt eine außergewöhnliche Grundschnelligkeit. Diese Geschwindigkeit im Becken dient als taktische Waffe für den Endspurt auf der Langstrecke.

Das Training für diese hybride Leistungsstruktur erfordert komplexe Periodisierungsmodelle. In der Vorbereitungsphase werden enorme Kilometerumfänge geschwommen, um das aerobe Fundament zu festigen. Näher zum Wettkampfhöhepunkt hin verschiebt sich der Fokus auf rennspezifische Intensitäten und hochintensive Intervallserien im Becken. Diese Methodik bereitet die Muskulatur auf schnelle Rhythmuswechsel vor.

Der ständige Wechsel zwischen dem isolierten Schwimmen auf der abgeleinten Bahn und dem chaotischen Massenstart im Freiwasser verlangt zudem eine hohe mentale Flexibilität. Im Becken existiert ein berechenbares Umfeld ohne externe Störfaktoren. Im offenen Gewässer dominieren unvorhersehbare Elemente wie Wellengang, Strömungen und physischer Kontakt mit Konkurrenten.

Welche trainingsmethodischen Ansätze prägen die Arbeit am Bundesstützpunkt unter Bernd Berkhahn?

Am Stützpunkt des SC Magdeburg wird eine Trainingsmethodik angewandt, die international als Maßstab für den Langstreckenschwimmsport gilt. Unter der Leitung von Bundestrainer Bernd Berkhahn absolvieren die Athleten Wochensolls, die im Grundlagenbereich regelmäßig hohe zweistellige Kilometerbeträge erreichen. Das primäre Ziel dieser Umfänge liegt in der Maximierung der mitochondrialen Dichte in der Arbeitsmuskulatur. Eine verbesserte Kapillarisierung sorgt für einen effizienteren Sauerstofftransport.

Ein zentraler Baustein dieser Philosophie ist die strikte Kontrolle der Trainingsintensitäten durch regelmäßige Laktatdiagnostik. Die Schwimmer absolvieren lange Serien an der individuellen anaeroben Schwelle. Dadurch wird die sogenannte Laktatbildungsrate gesenkt, was eine vorzeitige Übersäuerung der Muskulatur bei moderaten Reisegeschwindigkeiten verhindert. Diese metabolische Effizienz ist die Grundvoraussetzung für erfolgreiche Rennen über zehn Kilometer.

Neben dem Wassertraining nimmt die athletische Ausbildung an Land einen breiten Raum ein. Kraftausdauer, Rumpfstabilisation und gezielte Verletzungsprophylaxe für die hochbelasteten Schultergelenke stehen im Fokus. Die mechanische Belastung von zehntausenden Armzügen pro Woche erfordert einen äußerst belastbaren Bewegungsapparat. Ein starker Rumpf sichert zudem eine stabile Wasserlage bei störendem Wellengang.

Höhentrainingslager stellen ein weiteres Kernelement der Jahresplanung dar. Durch die künstlich herbeigeführte Hypoxie in Gebirgsregionen wird die Produktion roter Blutkörperchen stimuliert. Nach der Rückkehr auf Meeresniveau profitieren die Athleten von einer deutlich gesteigerten maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max). Diese physiologische Anpassung verschiebt die Leistungsgrenze spürbar nach oben.

Periodisierung im olympischen Zyklus

Der Aufbau über einen mehrjährigen Zyklus erfordert eine präzise Steuerung der Belastungs- und Erholungsphasen. In den Jahren vor einem Großereignis wie den Olympischen Spielen wird die absolute Basis verbreitert. Die Trainingsjahre sind von langen, ununterbrochenen Trainingsblöcken gezeichnet. Formtiefs bei kleineren Wettkämpfen werden dabei bewusst in Kauf genommen.

Im unmittelbaren Vorfeld der Hauptwettkämpfe erfolgt das sogenannte Tapering. Der Trainingsumfang wird in dieser Phase drastisch reduziert, während die Intensität der kurzen Belastungen hoch bleibt. Diese Reduktion des Volumens ermöglicht den Abbau aufgestauter Ermüdung. Die Muskulatur erholt sich vollständig, und der Athlet erreicht zum exakt berechneten Zeitpunkt sein individuelles Leistungsmaximum.

Physiologisches und taktisches Anforderungsprofil im Vergleich

Distanz Dauer (ca.) Primäres Energiesystem Taktische Schwerpunkte
400m Freistil (Becken) 3:40 – 3:50 Min. Anaerob-laktazid / Aerob Renneinteilung, Wenden, Tauchphasen
1,5 km (Staffel-Split) 14:00 – 16:00 Min. Aerob / Anaerob im Endspurt Hohes Anfangstempo, Positionierung im Feld
10 km (Freiwasser) 1:50:00 – 2:00:00 Std. Aerob (Fett- & Kohlenhydratstoffwechsel) Wasserschatten, Verpflegung, Kursfindung, Endspurt

Wie definiert sich das taktische Anforderungsprofil im olympischen Zehn-Kilometer-Rennen?

Das Schwimmen über zehn Kilometer im offenen Gewässer wird oft als physisches Schachspiel bezeichnet. Der reine Vortrieb ist nur ein Bruchteil der geforderten Gesamtleistung. Das Lesen des Rennens, die Antizipation gegnerischer Züge und die eigene Positionierung im Feld dominieren das Geschehen. Wer permanent an der Spitze schwimmt, leistet den größten Wasserwiderstand und verbraucht überproportional viel Energie.

Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gipfelte diese taktische Komplexität in einem dramatischen Finish. Oliver Klemet sicherte sich die Silbermedaille in einer Zeit von 1:50:52,7 Stunden. Der Rückstand auf den siegreichen Ungar Kristóf Rasovszky betrug im Ziel lediglich 2,1 Sekunden. Dieser minimale Abstand nach fast zwei Stunden Schwimmzeit verdeutlicht die enorme Leistungsdichte an der absoluten Weltspitze.

Die Renngestaltung in solchen Finalläufen folgt meist einem spezifischen Muster. Die erste Hälfte des Rennens wird genutzt, um sich im vorderen Drittel des Feldes zu etablieren, ohne die Führungsarbeit zu übernehmen. Die Athleten suchen den Rhythmus und vermeiden unnötige Positionskämpfe am Rande der Hauptgruppe. Das Feld schwimmt dicht gedrängt, um maximal vom Strömungsschatten der Konkurrenten zu profitieren.

Im letzten Drittel verschärft sich das Tempo meist abrupt. Athleten mit hoher aerober Kapazität versuchen, das Feld durch permanente Tempoverschärfungen in die Länge zu ziehen. Hier zeigt sich die Qualität der vorausgegangenen Trainingsjahre. Nur wer in der Anfangsphase durch geschicktes Positionieren Energie gespart hat, verfügt in der Schlussphase über die notwendigen Reserven für einen langanhaltenden Zielsprint über mehrere hundert Meter.

Das Resultat in Paris war das Ergebnis exakter taktischer Ausführung. Der Abstand von 2,1 Sekunden auf Rasovszky beweist, dass Klemet bis zum letzten Armzug in die Entscheidung um Gold involviert war. Ein solches Finish verlangt die Fähigkeit, selbst unter massiver Laktatakkumulation eine saubere und kraftvolle Schwimmtechnik aufrechtzuerhalten.

Welche physikalischen Gesetzmäßigkeiten bestimmen das Schwimmen im Wasserschatten?

Die Hydrodynamik spielt im Freiwasserschwimmen die bestimmende Rolle für den Energieverbrauch. Wasser hat eine etwa achthundertmal höhere Dichte als Luft. Dementsprechend wächst der Strömungswiderstand im Quadrat zur Schwimmgeschwindigkeit. Das bedeutet: Wer das Tempo nur geringfügig erhöht, muss dafür überproportional viel Kraft aufwenden. Diese physikalische Tatsache macht das Schwimmen im Wasserschatten, das sogenannte Drafting, zur wichtigsten Taktik.

Ein Schwimmer, der direkt hinter einem Konkurrenten positioniert ist, reitet auf dessen Heckwelle. In dieser Zone des reduzierten Widerstands lassen sich bis zu zwanzig Prozent des Energieaufwands einsparen. Der Athlet im Wasserschatten profitiert von der Sogwirkung, die der Vorausschwimmende durch seine Wasserverdrängung erzeugt. Diese Ersparnis ist über eine Distanz von zehn Kilometern rennentscheidend.

Es existieren verschiedene Positionen für das Drafting. Die klassische Position befindet sich direkt hinter den Füßen des Vordermanns. Hier ist der Strömungsschatten am stärksten ausgeprägt. Allerdings erfordert diese Position höchste Aufmerksamkeit. Der nachfolgende Schwimmer muss seinen eigenen Rhythmus exakt an den Beinschlag des Führenden anpassen, um nicht aufzulaufen oder abgerissen zu werden.

Eine alternative und taktisch aggressivere Position liegt auf Höhe der Hüfte oder der Oberschenkel des Konkurrenten. Der Schwimmer surft hier auf der seitlichen Bugwelle. Diese Position bietet einen geringeren energetischen Vorteil, ermöglicht aber eine bessere Übersicht über das Renngeschehen. Zudem ist aus dieser seitlichen Position ein sofortiger Angriff oder Ausreißversuch deutlich leichter zu initiieren.

Das Navigieren in diesen Strömungsfeldern erfordert ein immenses Wassergefühl. Der Athlet muss die feinen Druckunterschiede auf seiner Haut registrieren und kleinste Kurskorrekturen vornehmen. Verlässt er den optimalen Strömungsschatten auch nur um wenige Zentimeter, trifft ihn sofort der volle Wasserwiderstand. Dieses ständige Ausbalancieren kostet hohe kognitive Konzentration.

Wie unterscheidet sich die Wettkampfstruktur der Mixed-Staffel von den Einzelrennen?

Die 4-mal-1,5-Kilometer-Staffel im Freiwasser generiert eine völlig andere Renndynamik als das Zehn-Kilometer-Einzelrennen. Mit einer Teilstrecke von 1,5 Kilometern liegt die Belastungsdauer für den einzelnen Athleten meist um die fünfzehn Minuten. Das klassische Taktieren und Energieeinsparen tritt in den Hintergrund. Von Beginn an wird ein Tempo knapp unterhalb der maximalen anaeroben Schwelle geschwommen.

Oliver Klemet feierte in diesem Format herausragende internationale Erfolge. Bei den Weltmeisterschaften 2022 in Budapest gewann er gemeinsam mit Lea Boy, Leonie Beck und Florian Wellbrock die Goldmedaille. Dieser Titelgewinn bewies Klemets Fähigkeit, auf kürzeren, hochintensiven Freiwasserstrecken in der absoluten Weltspitze zu agieren. Das deutsche Quartett dominierte durch taktische Flexibilität und physische Härte.

Ein ähnlicher Triumph folgte bei den Weltmeisterschaften 2025 in Singapur. In der Besetzung mit Celine Rieder, Isabel Gose, Oliver Klemet und Florian Wellbrock sicherte sich die deutsche Staffel erneut die Goldmedaille. Solche wiederholten Erfolge belegen die strukturelle Überlegenheit und die breite Leistungsdichte im Bereich der deutschen Freiwasserschwimmer. Die Staffelwettbewerbe erfordern ein tiefes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Teammitglieder.

Besonders die Wechselzonen bergen in der Freiwasserstaffel große Risiken und taktische Möglichkeiten. Es gibt keinen festen Startblock. Die Athleten müssen per Anschlag an einer Konstruktion im Wasser abschlagen, während der nächste Schwimmer von einem Ponton ins Wasser springt. Ein Fehler beim Timing kann hier zur sofortigen Disqualifikation führen. Perfekte Wechsel werden im Training akribisch simuliert.

Zudem ist die Zusammensetzung des Feldes bei Mixed-Staffeln hochgradig asymmetrisch. Da die Nationen die Startreihenfolge ihrer Männer und Frauen frei wählen können, entstehen auf der Strecke extreme Geschwindigkeitsdifferenzen. Männliche Schwimmer jagen weibliche Athletinnen, wodurch sich völlig veränderte Strömungsverhältnisse und Wellenbilder ergeben. Der Orientierungssinn wird durch ständige Überholmanöver extrem gefordert.

Orientierung und Wellenlesen im offenen Gewässer

Das Fehlen von Bodenmarkierungen wie im Becken zwingt den Athleten zur ständigen Navigation an der Wasseroberfläche. Der sogenannte „Krokodilsblick“ wird angewendet. Der Schwimmer hebt den Kopf nur minimal an, sodass lediglich die Augen für den Bruchteil einer Sekunde aus dem Wasser ragen. Diese Technik minimiert den Verlust der hydrodynamischen Wasserlage und verhindert ein Absinken der Beine.

Die Frequenz dieses Orientierungsblicks hängt von den äußeren Bedingungen ab. Bei spiegelglattem Wasser genügen seltene Blicke auf die weit entfernten Bojen. Bei starkem Wellengang oder Strömung muss die Kurskontrolle nahezu mit jedem Atemzug erfolgen. Ein direkter und gerader Kurs zur nächsten Wendemarke ist die kürzeste Strecke und spart wertvolle Sekunden.

Welche biomechanischen Anpassungen erfordert der kraulspezifische Armzug im offenen Gewässer?

Der elegante, lange Gleitzug aus dem Schwimmbecken ist im Freiwasser oft von Nachteil. Unruhiges Wasser, Strömungen und die physische Nähe zu anderen Schwimmern stören die Gleitphase massiv. Stattdessen dominieren höhere Zugfrequenzen und ein kürzerer, kraftvollerer Abdruck unter Wasser. Der Armzug wird kompakter ausgeführt, um schneller auf Störungen von außen reagieren zu können.

Die Atemtechnik erfährt ebenfalls eine signifikante Anpassung. Während Beckenschwimmer oft eine beidseitige Atmung (Dreierzug) bevorzugen, atmen Freiwasserspezialisten häufig unilateral im Zweierzug. Dies dient nicht primär der Sauerstoffaufnahme, sondern der ständigen Beobachtung der direkten Konkurrenten. Der Blick richtet sich beim Atmen seitlich auf die Schulter- und Beckenachse des Nebenmanns.

Ein weiteres biomechanisches Element ist die asymmetrische Wasserlage. Um den Wellen auszuweichen oder die Bugwelle eines Konkurrenten optimal zu reiten, rollt der Schwimmer seinen Körper gezielt um die Längsachse. Diese Überrotation auf einer Seite schützt das Gesicht vor überschlagenden Wellen beim Einatmen. Gleichzeitig bietet die Schulter einen Schutzschild gegen den physischen Kontakt mit Mitschwimmern.

Der Beinschlag verliert auf der Langstrecke seine vortriebsgenerierende Funktion fast vollständig. Die Beine dienen primär der Stabilisierung der Wasserlage und dem Aufrechterhalten des Rhythmus. Ein leichter Zweier-Beinschlag schont die muskulären Glykogenspeicher in den Oberschenkeln. Diese Depots werden strikt für den finalen Zielsprint aufgespart, bei dem der Schwimmer nahtlos in einen massiven Sechser-Beinschlag wechselt.

Wie reguliert das Regelwerk von World Aquatics die Positionskämpfe an den Wendebojen?

Im Gegensatz zum kontaktlosen Schwimmen im Pool ist das Freiwasserschwimmen eine physische Sportart. Das Regelwerk des Weltverbandes World Aquatics erlaubt eine gewisse körperliche Härte, zieht jedoch klare Grenzen bei absichtlicher Behinderung. Versehentliche Berührungen an Beinen oder Schultern im dichten Pulk gelten als rennüblich und werden nicht geahndet.

Besonders kritisch sind die Situationen an den markierten Wendebojen. Das Feld verengt sich trichterförmig, wenn dutzende Schwimmer gleichzeitig die ideale Linie um die Markierung suchen. Wer die Innenbahn blockiert oder sich aggressiv in den Weg eines Konkurrenten schiebt, riskiert Sanktionen. Die Schiedsrichter begleiten das Rennen in Booten und überwachen das Geschehen permanent aus der Nähe.

Das Sanktionssystem von World Aquatics arbeitet mit farbigen Flaggen. Bei einem Verstoß gegen die Fair-Play-Regeln zeigt der Schiedsrichter zunächst eine gelbe Flagge in Verbindung mit der Startnummer des Athleten. Dies dient als formelle Verwarnung. Ein Ignorieren dieser Warnung oder ein schwerwiegendes Foul führt zum Zeigen der roten Flagge. Der Athlet wird sofort disqualifiziert und muss das Wasser verlassen.

Der Zieleinlauf ist durch einen abgesteckten Kanal stark reglementiert. In diesem sogenannten „Funnel“ gelten verschärfte Regeln bezüglich der Spurtreue. Ein Schwimmer darf seine Linie im Zielsprint nicht abrupt wechseln, um einen nachfolgenden Konkurrenten am Überholen zu hindern. Der Zielanschlag erfolgt an einer großen vertikalen Platte, die elektronisch den exakten Zeitpunkt der Berührung dokumentiert.

Das Berühren des Bodens oder das Stehen während des Rennens ist strengstens untersagt. Auch in flacheren Passagen muss die Schwimmbewegung zwingend fortgeführt werden. Die Einhaltung dieser Vorgaben sichert die sportliche Integrität eines Rennens, das durch äußere Umstände stets von Unwägbarkeiten geprägt ist.

Welche physiologischen Parameter limitieren die Leistungsfähigkeit nach knapp zwei Stunden Belastungszeit?

Ein Zehn-Kilometer-Rennen beansprucht den menschlichen Organismus bis an die absoluten Leistungsgrenzen. Der primäre limitierende Faktor ist die Erschöpfung der intramuskulären Glykogenspeicher. Sobald diese Kohlenhydratreserven aufgebraucht sind, fällt die Leistungsfähigkeit rapide ab. Der Stoffwechsel wird gezwungen, fast ausschließlich auf die langsame Fettverbrennung zurückzugreifen, was einen massiven Geschwindigkeitsverlust nach sich zieht.

Um diesem Leistungseinbruch vorzubeugen, ist die Nahrungsaufnahme während des Rennens obligatorisch. An speziellen Pontons reichen die Trainer den Athleten sogenannte Verpflegungsstäbe. An diesen langen Stangen sind kleine Flaschen befestigt, die hochkonzentrierte Kohlenhydratlösungen enthalten. Der Schwimmer greift die Flasche im Vorbeischwimmen, rollt sich auf den Rücken, trinkt hastig und wirft das Behältnis sofort wieder ab. Dieser Vorgang darf den Rhythmus kaum unterbrechen.

Trotz optimaler Verpflegung setzt im letzten Rennviertel eine massive periphere Ermüdung ein. Die Fasern der Arbeitsmuskulatur verlieren durch den andauernden mechanischen Stress an Kontraktionsfähigkeit. Die Laktattoleranz sinkt. Wer in dieser Phase eine Einzelmedaille gewinnen will, muss physischen Schmerz ausblenden können. Diese mentale und körperliche Härte belohnte sich für Klemet bei den Weltmeisterschaften 2023 in Fukuoka mit der Bronzemedaille über zehn Kilometer.

Ein weiterer Beleg für die Konstanz auf diesem extremen physischen Niveau folgte im August 2026. Bei den Europameisterschaften in Paris holte Klemet zum Auftakt in die Freiwasserwettbewerbe erneut die Bronzemedaille über die zehn Kilometer. Solche Platzierungen auf dem Podium bei aufeinanderfolgenden Großereignissen dokumentieren eine perfektionierte Wettkampfernährung und eine exzellente Pacing-Strategie. Der Zielsprint nach 120 Minuten Dauerbelastung bleibt die ultimative Prüfung der physiologischen Ausdauer.

Bei welchem Verein ist Oliver Klemet Mitglied?

Oliver Klemet ist Mitglied der SG Frankfurt. Sein tägliches Training absolviert er jedoch am Bundesstützpunkt beim SC Magdeburg.

Unter wem trainiert Oliver Klemet?

Er trainiert in Magdeburg unter der sportlichen Leitung von Bundestrainer Bernd Berkhahn in einer auf Langstrecken spezialisierten Trainingsgruppe.

Welchen Erfolg feierte Klemet bei den Olympischen Spielen 2024?

Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gewann er die Silbermedaille über zehn Kilometer im Freiwasser. Er erreichte das Ziel 2,1 Sekunden hinter dem Ungarn Kristóf Rasovszky in einer Zeit von 1:50:52,7 Stunden.

Ist Oliver Klemet auch im Beckenschwimmen aktiv?

Ja, er ist auch im Becken sehr erfolgreich. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris erreichte er das Finale über 400 Meter Freistil und schloss dieses auf dem siebten Platz ab.

Mit welchen Staffel-Formationen gewann er WM-Gold?

Bei der WM 2022 in Budapest holte er Gold in der 4-mal-1,5-Kilometer-Staffel mit Lea Boy, Leonie Beck und Florian Wellbrock. Bei der WM 2025 in Singapur sicherte er sich denselben Titel in der Besetzung mit Celine Rieder, Isabel Gose und Florian Wellbrock.

Welche Medaillen gewann er bei Welt- und Europameisterschaften im Einzel?

Klemet gewann über die zehn Kilometer im Einzelrennen die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften 2023 in Fukuoka sowie eine weitere Bronzemedaille bei den Europameisterschaften 2026 in Paris.

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