Isabel Gose — Steckbrief, Karriere und Erfolge

Der moderne Schwimmsport erfordert eine beispiellose Kombination aus aerober Leistungsfähigkeit, biomechanischer Präzision und taktischer Rennhärte. Innerhalb des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) verkörpert Isabel Marie Gose exakt dieses komplexe Anforderungsprofil. Geboren am 9. Mai 2002 in Berlin, entwickelte sich die Athletin zu einer der vielseitigsten Freistilschwimmerinnen auf der internationalen Bühne. Ihre Expertise erstreckt sich über das weite Spektrum von den 200 Metern bis hin zu den kraftraubenden 1500 Metern im Becken sowie ausgewählten Disziplinen im Freiwasser.

Die Transformation vom dominierenden Nachwuchstalent zur etablierten Größe bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen dokumentiert einen systematischen Leistungsaufbau. Der Gewinn der Bronzemedaille über 1500 Meter Freistil bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris in neuer deutscher Rekordzeit markiert einen historischen Meilenstein. Solche Resultate resultieren aus einer stringenter Trainingslehre und der ständigen Optimierung schwimmspezifischer Parameter.

Durch die Integration in hochprofessionelle Stützpunktstrukturen und die Zusammenarbeit mit namhaften Trainern erfährt die athletische Ausbildung eine fortlaufende Verfeinerung. Goldmedaillen bei Kurzbahnweltmeisterschaften, Siege bei Europameisterschaften im Becken und Erfolge in neuartigen Freiwasserformaten unterstreichen eine außergewöhnliche Adaptionsfähigkeit. Das technische Fundament und die physiologischen Kapazitäten bilden die Basis für eine dauerhafte Präsenz in den Endläufen der globalen Titelkämpfe.

Wie vollzog sich die Entwicklung der athletischen Grundlagen in den frühen Ausbildungsjahren?

Die sportliche Genese im Hochleistungsschwimmen erfordert zwingend eine frühe Spezialisierung bei gleichzeitigem Aufbau einer breiten motorischen Basis. Die ersten Wettkampferfahrungen sammelte die Athletin für die Wasserfreunde Spandau 04. In diesem Umfeld fand die grundlegende Wassergewöhnung sowie die primäre Technikausbildung in den vier Schwimmarten statt. Der frühzeitige Fokus auf eine saubere Wasserlage legte den Grundstein für spätere Erfolge.

Strukturelle Förderung an der Sportschule

Im Alter von zwölf Jahren vollzog sich im Jahr 2014 ein wegweisender Schritt durch den Wechsel an die Sportschule Potsdam. Unter der Ägide von Trainer Marko Letz erfuhr die Schwimmerin eine systematische Förderung. Das Internatsleben ermöglichte die notwendige Taktung von Frühtraining, Schulunterricht und Nachmittagseinheiten. Für den Potsdamer SV startend, stellten sich rasch nationale Erfolge ein. Bereits 2016 resultierte diese strukturierte Arbeit im ersten Meistertitel auf nationaler Ebene im Seniorenbereich über 400 Meter Freistil bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften.

Der Übergang an den Olympiastützpunkt

Die sukzessive Steigerung der Trainingsumfänge manifestierte sich im Jahr 2017 mit dem Titelgewinn über 200 Meter Freistil bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin. Die sportliche Progression verlangte nach neuen Reizen. Ab April 2018 erfolgte das Training in der Gruppe von Michael Spikermann am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg. Diese Phase war durch eine Intensivierung der kraftausdauernden Elemente gekennzeichnet. Die Anpassung an das höhere Belastungsniveau gelang bemerkenswert schnell.

Der internationale Durchbruch im Nachwuchsbereich manifestierte sich bei den Junioreneuropameisterschaften 2018 in Helsinki. Ein Sieg über 200 Meter Freistil stand am Ende einer Ausbeute von insgesamt sieben Medaillen. Diese Bilanz machte sie zur erfolgreichsten DSV-Athletin der Veranstaltung. Die dort gesammelten Erfahrungen im Umgang mit Vorläufen, Halbfinals und Endläufen formten die renntaktische Reife.

Ein Jahr später gipfelte die Juniorenlaufbahn bei den Europameisterschaften im russischen Kasan. Fünf Goldmedaillen, einmal Silber und einmal Bronze verdeutlichten die absolute Dominanz im europäischen Nachwuchs. Eine Siegerzeit von 1:57,51 Minuten über 200 Meter Freistil bedeutete einen neuen Meisterschaftsrekord. Zudem fiel ein Veranstaltungsrekord mit der 4-mal-100-Meter-Freistil-Mixedstaffel, was die Sprintfähigkeit innerhalb der Trainingsperiodisierung unterstrich.

Welche physiologischen Anforderungen stellt das Spektrum von 200 bis 1500 Meter Freistil?

Die Beherrschung von Wettkampfdistanzen zwischen 200 und 1500 Metern stellt die Trainingswissenschaft vor ein Paradoxon. Die 200-Meter-Strecke erfordert eine massive anaerobe Kapazität zur Aufrechterhaltung der Höchstgeschwindigkeit. Im Gegensatz dazu basiert die 1500-Meter-Distanz nahezu vollständig auf dem aeroben Stoffwechsel. Die Muskulatur muss folglich auf diametral entgegengesetzte metabolische Reize trainiert werden.

Aerobe Kapazität versus anaerobe Schwelle

Ein hohes Herzminutenvolumen und eine exzellente Kapillarisierung der Arbeitsmuskulatur bilden das Fundament. Bei Distanzen ab 400 Metern deckt der Organismus den Energiebedarf primär durch die Oxidation von Kohlenhydraten und Fetten. Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) bestimmt das Grundtempo. Gleichzeitig muss die Laktatbildungsrate niedrig gehalten werden. Ein vorzeitiger Anstieg der Milchsäurekonzentration führt unweigerlich zu einem massiven Geschwindigkeitsverlust auf der zweiten Rennhälfte.

Laktattoleranz im Rennverlauf

Trotz der aeroben Basis erfordert das moderne Langstreckenschwimmen eine enorme Spurtfähigkeit. Tempowechsel der Konkurrenz oder der finale Endspurt treiben den Stoffwechsel in den anaerob-laktaziden Bereich. Die Fähigkeit, bei einem Laktatwert von deutlich über acht Millimol pro Liter noch einen technisch sauberen Armzug auszuführen, trennt die Weltspitze vom restlichen Feld. Bei den Weltmeisterschaften in Doha 2024 bewies sich diese physische Bandbreite durch Medaillengewinne über 400, 800 und 1500 Meter Freistil.

Die Vielseitigkeit erfordert ein meticulously kalibriertes Trainingsprogramm. Phasen des Grundlagenausdauertrainings (GA1) wechseln sich mit hochintensiven Intervallen ab. Eine Überbetonung der Ausdauer kann die Maximalkraft und Schnelligkeit auf den 200 Metern mindern. Umgekehrt gefährdet ein zu hohes Sprintvolumen die ökonomische Arbeitsweise auf den 1500 Metern. Bei den Olympischen Spielen in Paris demonstrierte die Qualifikation für vier Einzelstrecken (200, 400, 800, 1500 Meter) das erfolgreiche Ausbalancieren dieser physiologischen Kontraste.

Wie beeinflusst die Magdeburger Trainingsmethodik die Renngestaltung auf der Langstrecke?

Der Bundesstützpunkt in Magdeburg gilt als globale Hochburg für das Langstrecken- und Freiwasserschwimmen. Seit April 2020 steuern Bundestrainer Bernd Berkhahn und Norbert Warnatzsch die Trainingsprozesse. Die Zugehörigkeit zum SC Magdeburg markierte einen Wendepunkt in der Belastungsstruktur. Das dortige System basiert auf extremen Umfängen im Wasser, gepaart mit spezifischer Athletik an Land.

Hochvolumentraining und Belastungssteuerung

Kilometerleistungen von über 80 Kilometern pro Woche in der Vorbereitungsphase prägen den Alltag. Diese massiven Umfänge erzwingen eine hochgradig effiziente Schwimmtechnik. Jeder überflüssige Kraftaufwand potenziert sich über die Distanz. Das Magdeburger Konzept fokussiert sich auf die Entwicklung eines „Tempomacher-Gefühls“. Die Athleten lernen, vorgegebene Zwischenzeiten auf die Zehntelsekunde genau und ohne ständigen Blick auf die Uhr zu reproduzieren.

Renneinteilung und Pacing-Modelle

Die Renneinteilung (Pacing) über 800 und 1500 Meter folgt strengen mathematischen Modellen. Ein „Negative Split“ – die zweite Rennhälfte wird schneller geschwommen als die erste – gilt als Ideal der Belastungssteuerung. Die Taktik beinhaltet oft ein kontrolliertes Angangstempo auf den ersten hundert Metern, gefolgt von einer extrem gleichmäßigen mittleren Phase. Auf den letzten 200 Metern wird die Zugfrequenz signifikant erhöht. Diese Methodik führte unter anderem zum Europameistertitel über 400 Meter Freistil 2022 in Rom.

Die Symbiose aus hohem Trainingsvolumen und technischer Präzision ermöglicht Rekordleistungen. Bei den Qualifikationswettkämpfen für die Spiele in Tokio verbesserte sich der deutsche Rekord über 400 Meter Freistil von Sarah Köhler im Vorlauf auf 4:03,21 Minuten. Die Trainingsgruppe profitiert massiv vom internen Konkurrenzkampf. Das gemeinsame Absolvieren harter Serien mit den weltbesten Freiwasserschwimmern verschiebt die mentale Schmerztoleranzgrenze nach oben.

Ein Beleg für die Nachhaltigkeit dieser Methodik liefert die dreimalige Wahl zu Sachsen-Anhalts Sportlerin des Jahres (bis 2023). Die Auszeichnungen spiegeln die Konstanz auf höchstem Niveau wider. Medaillen bei den U-23-Europameisterschaften 2023 in Dublin (dreimal Einzelgold über 400, 800 und 1500 Meter) untermauerten die Vormachtstellung auf europäischer Ebene unter der Anleitung des Magdeburger Trainerstabes.

Welche biomechanischen Parameter determinieren einen effizienten Kraulschlag über lange Distanzen?

Die Kraultechnik auf der Langstrecke unterscheidet sich fundamental vom Sprint. Die Hydrodynamik diktiert die Effizienz der Fortbewegung. Ein minimierter Frontalwiderstand durch eine gestreckte, horizontale Wasserlage spart wertvolle Energie. Der Vortrieb resultiert primär aus der Propulsionskraft der Arme, während der Beinschlag auf den langen Strecken eher der Stabilisation der Körperlängsachse dient.

Frequenzwechsel und Zuglänge

Ein hoher Ellenbogen in der Wasserfassphase (Catch) ermöglicht einen maximalen Druckaufbau. Das Wasser wird nicht nach unten gedrückt, sondern der Körper zieht sich an der verankerten Hand nach vorne. Die Zuglänge (Distance per Stroke) korreliert stark mit dem energetischen Aufwand. Über 1500 Meter dominiert oft ein Zweierbeinschlag, der Rhythmus und Sauerstoffbedarf in Einklang bringt. Auf den finalen 100 Metern schaltet die Muskulatur auf einen Sechserbeinschlag um, wodurch die Zugfrequenz abrupt ansteigt.

Wendenkinematik und Abstoßphasen

Über 1500 Meter im 50-Meter-Becken summieren sich 29 Wenden. Die Rollwende erfordert exaktes Timing. Die Rotationsgeschwindigkeit, die Kompression des Körpers an der Wand und der anschließende Abstoß bestimmen den Geschwindigkeitsverlust. Eine stromlinienförmige Unterwasserphase mit Delfinkicks verlängert die Gleitstrecke, verbraucht jedoch erhebliche Mengen an Sauerstoff. Langstreckenschwimmer tauchen deshalb oft früher auf als Sprinter, um die Atmung nicht zu unterbrechen.

Anforderungsprofil der Freistildistanzen im Hochleistungssport

Distanz Energiebereitstellung Zugfrequenz-Charakteristik Taktische Priorität
200 Meter Stark anaerob-laktazid Anhaltend hoch, Sechserbeinschlag durchgehend Hohes Angangstempo, Laktattoleranz im Finish
400 Meter Mischstoffwechsel (aerob/anaerob) Kontrolliert hoher Rhythmus, Frequenzsteigerung Vermeidung von Laktatspitzen in Rennmitte
800 Meter Primär aerob Ökonomische Zuglänge, Zweier-/Viererbeinschlag Konstantes Pacing, exakte Reproduktion von 50m-Splits
1500 Meter Maximal aerob Hohe Gleitphasen, minimaler Beineinsatz bis zum Spurt Mentale Härte, Fokus auf Wasserlage trotz Ermüdung

Die Technik muss auch unter massiver Erschöpfung stabil bleiben. Ein Absinken der Hüfte oder ein Überkreuzen der Körpermittelachse beim Eintauchen der Hände führt sofort zu messbaren Geschwindigkeitsverlusten. Die ständige videogestützte Analyse der Winkelgeschwindigkeiten in der Überwasser- und Unterwasserphase gehört zur wöchentlichen Trainingsroutine. So lassen sich asymmetrische Bewegungsmuster frühzeitig korrigieren.

Wie strukturieren sich die Qualifikationsnormen und Wettkampfformate bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften?

Der Weg zu internationalen Großereignissen unterliegt einem strengen und unerbittlichen Regelwerk. Die FINA (heute World Aquatics) definiert internationale A- und B-Normen. Der Deutsche Schwimm-Verband verschärft diese Kriterien jedoch traditionell noch weiter. Nationale Qualifikationswettkämpfe erzeugen einen enormen psychologischen Druck, da die Leistung auf einen einzigen Tag, oft auf ein einziges Rennen, fokussiert werden muss.

Nationale Selektionskriterien des DSV

Das Nominierungssystem verlangt das Unterbieten vorgegebener Richtzeiten in einem definierten Qualifikationsfenster. Bei den Deutschen Meisterschaften 2024 in Berlin demonstrierte sich die Fähigkeit zur punktgenauen Fokussierung. Vier Goldmedaillen über 200, 400, 800 und 1500 Meter Freistil bedeuteten die gleichzeitige Qualifikation auf allen vier Strecken für die zweiten Olympischen Spiele in Paris. Ein solches Pensum erfordert die Absolvierung zahlreicher Vor- und Endläufe innerhalb weniger Tage.

Das Regelwerk der FINA/World Aquatics

Bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften greift das klassische Wettkampfformat. Die Vormittagsabschnitte dienen den Vorläufen (Heats). Die Athleten werden anhand ihrer Meldezeiten gesetzt. Die schnellsten sechzehn Schwimmer qualifizieren sich für die Halbfinals (bei Distanzen bis 200 Meter), während bei den 400, 800 und 1500 Metern die acht zeitschnellsten Vorlaufschwimmer direkt in das Finale einziehen. Dies erfordert taktisches Geschick: Es muss schnell genug geschwommen werden, um den Endlauf zu erreichen, aber energiesparend genug, um im Finale Reserven abrufen zu können.

Ein Startfehler führt zur sofortigen Disqualifikation. Die Schwimmbekleidung ist streng reglementiert. Die Anzüge (Tech Suits) bestehen aus textilen Materialien, deren Dicke, Auftrieb und Permeabilität vorgegeben sind. Sie müssen oberhalb des Knies enden und dürfen den Nacken oder die Schultern nicht bedecken. Die starke Kompression der Anzüge reduziert den Wasserwiderstand, erfordert aber einen Kraftakt beim Anziehen und verändert die Wasserlage minimal, worauf die Technik abgestimmt werden muss.

Auf welche Weise ergänzen sich Beckenschwimmen und Freiwassereinsätze in der Periodisierung?

Historisch betrachtet existierte eine strikte Trennung zwischen den Athleten im Pool und den Spezialisten im Freiwasser (Open Water). Diese Grenze verschwimmt zunehmend. Ausgedehnte Grundlagenausdauereinheiten befähigen Langstreckenschwimmer im Becken, auch bei Freiwasserwettbewerben der Weltelite die Stirn zu bieten. Die Umstellung erfordert jedoch eine spezifische Adaption der kognitiven und biomechanischen Fähigkeiten.

Navigation und Positionierungskämpfe

Im Freiwasser fehlt die Orientierungslinie am Beckengrund. Die Technik des „Sighting“ – das kurze Anheben des Kopfes während der Armzugphase zur Peilung von Bojen – muss fließend in den Rhythmus integriert werden. Jeder Blick nach vorne drückt die Hüfte nach unten und bremst. Zudem bestimmen Strömungen, Wellengang und Wassertemperatur das Rennen. Taktische Manöver, wie das Schwimmen im Wasserschatten (Drafting) der Führenden, sparen bis zu zwanzig Prozent Energie.

Das Knockout-Sprint-Format

Die Europameisterschaften 2026 in Paris boten eine Bühne für innovative Wettkampfformate. Der Gewinn der Goldmedaille im 3-Kilometer-Knockout-Sprint demonstrierte eine perfekte Symbiose aus Ausdauer und Endschnelligkeit. Dieses Format erfordert nicht nur physische Härte in den physischen Positionskämpfen um die Wendebojen, sondern auch Sprintfähigkeiten am Ende jedes Ausscheidungsdurchgangs. Solche Einsätze trainieren die Reaktionsfähigkeit auf unvorhergesehene Rennverläufe.

Die Integration von Freiwasserstarts in den Jahresplan bricht die Monotonie des Kachelzählens auf der 50-Meter-Bahn. Erfolge in Teamwettbewerben, wie der Titelgewinn bei den Weltmeisterschaften 2025 in Singapur als Mitglied der 4-mal-1,5-Kilometer-Staffel (gemeinsam mit Celine Rieder, Oliver Klemet und Florian Wellbrock), stärken zudem die psychologische Resilienz. Die bei Freiwasserrennen gewonnene Rennhärte zahlt sich in den Schlussphasen harter Beckenrennen aus.

Auch die Goldmedaille in der Freiwasser-Staffel bei den Europameisterschaften 2026 belegt diese Zweigleisigkeit. Gleichzeitig sicherten drei Silbermedaillen im Becken (über 400, 800 und 1500 Meter) bei derselben Veranstaltung die Vormachtstellung in der gewohnten Umgebung. Die Periodisierung muss diese Doppelbelastung durch modifizierte Tapering-Phasen (Reduzierung des Trainingsumfangs vor dem Wettkampf) auffangen.

Welche Bedeutung haben Staffelwettbewerbe für die individuelle Belastungssteuerung?

Trotz der Individualität der Einzeldistanzen nehmen Staffelrennen eine herausragende Position im internationalen Schwimmsport ein. Sie binden die Einzelschwimmer in ein Teamgefüge ein und generieren eine völlig andere psychologische Belastungsstruktur. Für den Verband sind Staffelerfolge ein Gradmesser der in der Breite vorhandenen Leistungsdichte. Die Teilnahme an mehreren Staffeln erfordert jedoch ein penibles Management der Energieressourcen während mehrtägiger Meisterschaften.

Fliegende Wechsel und Reaktionszeiten

Die 4-mal-200-Meter-Freistilstaffel gilt als Königsdisziplin der Ausdauer. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen kumuliert sich hier das Programm der Mittelstreckler. Eine kritische Komponente ist der fliegende Wechsel. Die elektronische Zeitmessung erlaubt eine Reaktionszeit von -0,03 Sekunden. Der abtretende Schwimmer darf die Wand erst verlassen haben, wenn der Anschlag des ankommenden Athleten erfolgt. Die Antizipation dieses Moments entscheidet oft über Medaillenränge.

Mixed-Formate in der internationalen Konkurrenz

Die Einführung von Mixed-Staffeln (zwei Männer, zwei Frauen) revolutionierte die Renntaktik. Die Reihenfolge der Geschlechter ist frei wählbar. Dies führt zu extremen Wellenbildungen im Becken, wenn ein männlicher Sprinter auf eine Athletin der gegnerischen Nation trifft. Bereits bei den Junioreneuropameisterschaften 2019 in Kasan resultierte ein Start in der 4-mal-100-Meter-Freistil-Mixedstaffel in einem Championship Record (CR).

Der Gewinn des nationalen Titels in der 4-mal-200-Meter-Freistil-Mixedstaffel bei den Deutschen Meisterschaften 2023 in Berlin festigte die Position als verlässliche Staffelschwimmerin. Auch international gehören Finalteilnahmen, wie der 6. Platz über 4-mal 200 Meter Freistil bei den Kurzbahnweltmeisterschaften 2021 in Abu Dhabi oder die Zugehörigkeit zur Olympia-Staffel 2024, zur Konstante. Im Freiwasser erfordert die 4-mal-1,5-Kilometer-Staffel (Gold WM 2025 Singapur) wiederum völlig andere Wechselmechanismen über Wasseranlagen.

Wie differenzieren sich Kurzbahn- und Langbahnwettkämpfe im Hinblick auf Wenden- und Gleittechnik?

Der Schwimmkalender teilt sich streng in die Langbahn-Saison (50-Meter-Becken im Sommer) und die Kurzbahn-Saison (25-Meter-Becken im Winter). Für Laien erscheint der Unterschied marginal, aus biomechanischer Sicht handelt es sich jedoch um differenzierte Disziplinen. Die Anzahl der Wenden verdoppelt sich auf der Kurzbahn. Dies verschiebt das Anforderungsprofil massiv von der reinen Schwimmgeschwindigkeit hin zur Wenden- und Tauchkompetenz.

Die Bedeutung der Unterwasserphasen

Nach jeder Wende auf der Kurzbahn erfolgt eine Gleitphase mit anschließender Delfinbewegung. Das Regelwerk erlaubt eine Tauchstrecke von maximal 15 Metern. Schwimmer, die diese Unterwasserphase optimal nutzen, bewegen sich in einer Tiefe mit geringerem Strömungswiderstand als an der Wasseroberfläche. Die Beinmuskulatur übersäuert durch die ständigen Delfinkicks jedoch wesentlich schneller. Ein 1500-Meter-Rennen auf der Kurzbahn beinhaltet 59 Abstoßphasen – eine gewaltige konzentrische und exzentrische Belastung für die Oberschenkelmuskulatur.

Rhythmusbrechung auf der 25-Meter-Bahn

Für Athleten mit einer langen, gleitenden Kraultechnik stellt das 25-Meter-Becken eine Herausforderung dar. Der Rhythmus des Armzuges wird kontinuierlich unterbrochen. Bereits bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften 2019 in Berlin stellte sich die Adaptionsfähigkeit an diese Gegebenheiten mit einem deutschen Kurzbahnrekord über 400 Meter Freistil (3:58,91 Minuten) ein. Kurze Zeit später brachte die Europameisterschaft in Glasgow die erste internationale Einzelmedaille der Erwachsenen (Silber, 400m).

Die absolute Beherrschung der 25-Meter-Bahn dokumentierte sich bei den Kurzbahnweltmeisterschaften im Dezember 2024 in Budapest. Die Goldmedaille über 1500 Meter Freistil sowie die Silbermedaille über 800 Meter fielen in neuer deutscher Rekordzeit. Auch der sechste Platz im Finale über 400 Meter Freistil unterbot die bisherige nationale Bestmarke. Kurzbahn-Europameistertitel 2025 in Lublin über 400 und 800 Meter komplettieren das Profil einer Athletin, die physikalische Beckenlängen durch technische Variabilität kompensiert.

Wann und wo wurde Isabel Gose geboren?

Isabel Marie Gose wurde am 9. Mai 2002 in Berlin geboren.

Für welchen Verein geht die Athletin an den Start?

Nach Stationen bei Spandau 04 und dem Potsdamer SV startet sie für den SC Magdeburg, wo sie am Bundesstützpunkt trainiert.

Welche Trainer prägten die Entwicklung in Magdeburg?

Seit dem Wechsel an den Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt im April 2020 wird sie von Bundestrainer Bernd Berkhahn und Norbert Warnatzsch trainiert.

Welche Medaille wurde bei den Olympischen Spielen 2024 erreicht?

Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris sicherte sie sich die Bronzemedaille über 1500 Meter Freistil und schwamm dabei einen neuen deutschen Rekord.

Wie erfolgreich verliefen die Junioreneuropameisterschaften 2019?

Bei den Titelkämpfen im russischen Kasan wurde sie mit fünf Goldmedaillen, einmal Silber und einmal Bronze die erfolgreichste Athletin der Veranstaltung. Unter anderem stellte sie über 200 Meter Freistil einen Meisterschaftsrekord auf.

Welche Titel konnten bei der Kurzbahn-WM 2024 errungen werden?

Bei den Kurzbahnweltmeisterschaften in Budapest 2024 wurde sie Weltmeisterin über 1500 Meter Freistil und Vizeweltmeisterin über 800 Meter Freistil, beides mit neuem deutschen Rekord.

Welche internationalen Erfolge existieren im Freiwasser?

Bei der WM 2025 in Singapur gewann sie Gold mit der 4-mal-1,5-km-Staffel. Bei der EM 2026 in Paris holte sie Gold im 3-km-Knockout-Sprint sowie mit der Freiwasserstaffel.

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